Jugendliche machen Demokratie - Mein Weg ins Europäische Jugendparlament 2026

Der Auswahlprozess 

„Dear Chairs, I would like you to gather the votes from your committees”, sagte die Präsidentin der Nationalen Auswahlsitzung des Europäischen Jugendparlaments in Nürnberg am ersten Morgen unserer Generalversammlung. Die Anspannung in unserem Komitee stieg: jetzt wurde darüber abgestimmt, ob unsere Resolution verabschiedet wurde oder nicht.

Das Europäische Jugendparlament

Das Europäische Jugendparlament, kurz EYP für European Youth Parliament, ist eine Möglichkeit für Jugendliche von 15 bis 19 Jahren, neue Einblicke in die Arbeit der Europäischen Union zu gewinnen und mit anderen Delegierten in den Austausch zu kommen. Dabei befasst man sich mit aktuellen politischen Themen, zum Beispiel wie die Europäische Union Arbeitsplätze besser zugänglich für Menschen mit Behinderung macht. 

Der Bewerbungsprozess

Um an den Sitzungen des Europäischen Jugendparlaments teilzunehmen, muss man zunächst für die Vorrunde eine schriftliche Ausarbeitung zu einem aktuellen, politischen Thema einreichen. Das Thema dieses Jahr war, inwiefern die EU in Atomkraft investieren soll. Dann hatte ich das Glück für die Regional Selection Conference in Schorndorf ausgewählt zu werden. Dort gab es eine Jury, die mich wiederum zu der National Selection Conference in Nürnberg schickte.

 

Teambuilding und Committee Work

Die Sitzungen des Europäischen Jugendparlaments bestehen immer aus drei Teilen: Teambuilding, Committee Work und der General Assembly. Teambuilding ist eigentlich selbsterklären. Man spielt lustige Spiele und lernt sich untereinander besser kennen. Beim Committee Work arbeitet man zusammen an einer Resolution. Eine Resolution ist eine politische Ausarbeitung, mit der man gezielt Probleme bekämpft und neue Lösungsvorschläge macht. Dabei ist vor allem genaues Arbeiten wichtig. Alle jetzigen Missstände muss man mit einer aktuellen und vertrauenswürdigen Quelle belegen. Die Lösungen wiederum müssen umsetzbar sein und dürfen keinem europäischen Gesetz widersprechen. Auch die Arbeit im Komitee an sich ist manchmal schwierig, wenn sich verschiedene Meinungen widersprechen. Da ist es wichtig, gut debattieren und Kompromisse finden zu können.

General Assembly

Die General Assembly oder zu Deutsch Generalversammlung besteht aus allen Komitees und dem Academic Board, das die Assembly leitet. Nacheinander stellen die einzelnen Komitees ihre Resolutionen vor und dann wird abgestimmt, ob die Resolution verabschiedet werden soll oder nicht. Nach ein paar Reden von dem vorstellenden Komitee und anderen, die ihre Meinung dazu ausdrücken, kommt der wichtigste und interaktivste Teil der Generalversammlung – die Open Debate. Dort haben die anderen Delegierten die Möglichkeit, kritische Fragen zu stellen und Probleme in der Resolution anzumerken. Das Komitee muss dann die Fragen beantworten und die eigene Resolution verteidigen. Nach einer emotionalen Abschlussrede werden schließlich die Stimmen eingesammelt.

Und wie sah es jetzt mit unserer Resolution aus? Die wurde zum Glück verabschiedet! Ein tolles Gefühl nach all der Arbeit, die wir da reininvestiert haben.

Andere Möglichkeiten beim EYP mitzumachen

Das Europäische Jugendparlament besteht nicht nur aus Delegierten; ein ganzes Team kümmert sich darum, dass die Sitzungen auf hohem akademischem Niveau sind und auch in Medienprojekten gewürdigt werden. In dem Orga-Team sind beispielsweise die Event Safe People, die sich darum kümmern, dass es einem in der kompetitiven Atmosphäre des EYPs trotzdem gut geht. Außerdem gibt es das Media Team, das während der ganzen Session Fotos, Videos und kreative Projekte macht, die man nachher sehen kann. Die ganze Sitzung könnte aber nicht ohne das Academic Board stattfinden. Das sind die Chairs, Jury-Mitglieder und der Präsident der Sitzung, die sich um die Resolutionen und die Bewertung der Delegierten kümmern. Wenn man selbst gerne eine dieser Rollen annehmen möchte, kann man sich über die EYP Members Platform bewerben. 

Ähnliche Programme 

Ähnlich zu EYP ist auch Model United Nations (MUN). Dabei simuliert man jedoch nicht das Europäische Parlament, sondern die Vereinten Nationen. Die Delegierten sind nicht unparteiisch, sondern vertreten die Interessen von einem Land in einem bestimmten Ausschuss. Jedoch schreibt man auch eine Resolution, debattiert mit anderen, tritt in Austausch und hat viel Spaß. Viele EYPler waren auch bei MUN, man sieht sich also immer wieder.

Mein weiterer Weg bei EYP

Ich wurde auf meiner letzten Sitzung ausgewählt, als Gastdelegierte zur National Selection Conference in Luxemburg Anfang nächsten Schuljahres zu gehen. Ich bin auf jeden Fall schon auf die neuen Erfahrungen und inspirierenden Menschen dort gespannt. Außerdem habe ich auf jeden Fall vor, mich als Chair oder für eine andere Supportrolle zu bewerben. Mal schauen wann, wo und wie. Bei EYP sagt man immer: „See you somewhere in Europe“. Und so hoffe ich, auch meine neuen Freunde dort bald irgendwo in Europa wieder zu treffen.

Carla Bautz, Q1